Die 3 häufigsten Fehler bei Klimmzügen und wie du sie korrigierst
Zuletzt aktualisiert: April 2026
Von Wiktor Diamant, M.Sc. Trainingswissenschaften (Deutsche Sporthochschule Köln), FMS Level 2 zertifiziert, Certified Functional Strength Coach und Personal Trainer in Köln.
Der Klimmzug zählt zu den wertvollsten Übungen im funktionellen Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht. Er trainiert die Muskeln des Oberkörpers effektiv und zugleich die vom vielen Sitzen vernachlässigte Rückenmuskulatur. Deshalb sollte der Klimmzug (oder Abwandlungen der vertikalen Zugbewegung) in keinem ganzheitlichen Trainingsplan fehlen.
In diesem Artikel geht es um die 3 häufigsten Fehler und wie du den Klimmzug richtig ausführst. Dabei gehen wir auf die allgemeingültigen Merkmale einer korrekten Klimmzugtechnik ein, unabhängig von dem gewählten Griff. In einem weiteren Artikel werden wir auf die verschiedenen Griffe beim Klimmzug eingehen (Ristgriff bzw. Obergriff, Untergriff bzw. Kammgriff, neutraler Parallelgriff oder zwischen Ringen und Stange).

Kurzer Exkurs zur Namensgebung: Im deutschen Sprachraum wird allgemein vom Klimmzug gesprochen. Im Englischen werden die einzelnen Klimmzugvarianten jedoch nach ihrer Griffart benannten. So versteht man unter einem Pull-Up üblicherweise einen Klimmzug im Obergriff bzw. Ristgriff. Von einem Chin-Up spricht man, wenn die Klimmzug-Variante im Untergriff bzw. Kammgriff ausgeführt wird.
Welche Muskeln trainiert der Klimmzug?
Der Klimmzug ist eine der effektivsten Mehrgelenkübungen für den Oberkörper. Die primär beanspruchten Muskeln sind:
- Latissimus dorsi (breiter Rückenmuskel): der Hauptbeweger beim Klimmzug, verantwortlich für die Zugbewegung von oben nach unten
- Bizeps (Armbeuger): unterstützt die Zugbewegung, insbesondere beim Untergriff (Chin-Up) stärker beteiligt
- Trapezmuskel und Rhomboiden: ziehen die Schulterblätter zusammen und nach unten, stabilisieren den gesamten Schultergürtel
- Unterarmmuskulatur: sichert den Griff an der Stange
- Rumpfmuskulatur: hält die Körperspannung während der gesamten Bewegung aufrecht
Damit trainiert ein einziger sauberer Klimmzug mehr Muskeln gleichzeitig als die meisten Maschinenübungen im Studio.
Die 3 häufigsten Fehler beim Klimmzug
Beim Klimmzug lassen sich sehr häufig folgende 3 Fehlerbilder beobachten, die beim Training zu Beschwerden führen können:
1. Fehler: Kein voller Bewegungsradius:
Beim ersten Fehlerbild wird die Klimmzugbewegung nicht über den vollen Bewegungsradius (ROM – Range ff Motion) ausgeführt. Insbesondere die Ellenbogenstreckung und Schulterbeugung kommen zu kurz. Das ist insofern problematisch, weil es die Entstehung von Muskelverkürzungen fördert und dadurch die Verletzungsanfälligkeit erhöht.
2. Fehler: Mangelnde Schulterblattverankerung
Bei diesem Fehlerbild findet keine ausreichende Verankerung des Schulterblatts vor der eigentlichen vertikalen Zugbewegung statt. Vergleichbar mit einer massiven Kanone, benötigen auch kräftige Arme eine solide Verankerung und Befestigung. Mit einer Kanone sollte man nicht aus einem Kanu feuern! Genauso wenig sollten kräftige Arme ohne eine solide Verankerung des Schulterblatts am Rumpf die Zugbewegung einleiten. Andernfalls ist das hauptsächlich muskulär gesicherte Schultergelenk instabil und erfährt zu viel Reibung während der Bewegung.
3. Fehler: Vorkippung des Schulterblattes
Bei diesem Klimmzugfehler kommt es zu einer Kippung des Schulterblattes nach vorne mit einer Vorverlagerung des Oberarmkopfes. Das kann wiederum zu Reizungen im Bereich der Bizepssehne und der dortigen Schleimbeutel führen.
Korrekturen für die häufigsten Klimmzugfehler
1. Fehlerkorrektur: zu geringer Bewegungsradius
Du kannst z.B. entweder weniger Wiederholungen ausführen. Dafür solltest du aber über den vollen Bewegungsradius gehen und die Ellenbogen komplett strecken. Alternativ kannst du die Belastungsintensität reduzieren. Beim Klimmzug mit dem eigenen Körpergewicht geht das natürlich nur über Umwege. Z.B. kannst du eine verwandte Bewegung am Latzug ausführen, bei der sich das Gewicht feiner dosieren lässt. Oder du führst den Klimmzug mit elastischen Bändern (Superbändern) aus.
2. Fehlerkorrektur: mangelnde Verankerung des Schulterblatts
Die fehlende Schulterblattverankerung ist meist ein koordinatives Problem. D.h. du muss zuerst wissen, dass du es tun musst und diese Teilbewegung auch in den Klimmzug koordinativ integrieren. Dazu hilft es vor allem am Anfang die Intensität zu reduzieren, um die neue Teilbewegung leichter einzuüben. Auch hier helfen dir Superbänder oder Seilzug-/Latzugmaschinen. Das gilt insbesondere, falls die Schulterblattverankerungen in der Gesamtbewegung eines Klimmzugs noch zu komplex für dich ist. (siehe auch das eingebaute YouTube Video bei 06:10)

Fehlerkorrektur: Schulterblattkippung und Oberarmvorschiebung
Die Ursachen dieses Fehlerbilds liegen meistens in einer fehlenden Ansteuerung und Kraft der oberen Rückenmuskulatur. Hier empfehlen wir dir die Muskulatur zu trainieren, die deine Schulterblätter zurück zieht, d.h. die Retraktion der Schulterblätter zuständig ist. Das sind allen voran die Rhomboiden und der Trapezmuskel. Dafür gut geeignet sind Facepulls und weites Rudern. Zu beiden Übungen haben wir bereits Videos gemacht, die unten verlinkt sind. Das Üben der Retraktion lässt sich aber auch sehr gut in das eigentliche Klimmzugtraining integrieren. Dazu ist es aber zumindest am Anfang notwendig das Trainingsgewicht zu reduzieren, um die Bewegung richtig anzusteuern.
Noch eine kleine Randbemerkung zu diesem Fehlerbild: Gerade zum Ende eines Satzes ist es zu einem gewissen Maß absolut vertretbar eine gewisse Vorkippung des Schulterblattes und der entsprechenden Vorverlagerung des Oberarmkopfes zu haben. Insbesondere, wenn man nahe an seine individuelle Leistungsgrenze geht, um einen höheren Muskelaufbaureiz zu setzen. Es macht für deinen Schulterapparat jedoch einen Unterschied, ob du versuchst das Zurückziehen überhaupt anzusteuern (auch, wenn die Muskeln zum Ende bereits stark ermüdet sind und die resultierende Bewegung gering ausfällt) oder du von der ersten Wiederholung an das Gewebe stark strapazierst und deine Schulterblätter ungebremst nach vorne kippen lässt.
Weitere Haltungsfehler beim Klimmzug
Es gibt bei Klimmzügen natürlich noch weitere Technikfehler oder Abweichungen vom Idealbild. Zum Beispiel was die Haltung der Beine und die Körperspannung während des Klimmzugs angeht.
Jedoch handelt es hierbei, meiner Meinung nach um Stilfragen, und darum ob die Körperspannung über die gesamte Ausführung gehalten werden muss. Da vom Schwungholen mit den Beinen oder dem Verlust der geraden Körperlinie kein großes Schädigungspotenzial ausgeht, handelt es sich hierbei eher um Schönheitsfehler als gesundheitsgefährliche Technikfehler.
Der perfekte Klimmzug (Strict-Pull-Up)
Der heilige Gral des Klimmzugstrainings bleibt wohl dennoch ein kontrolliert ausgeführter Klimmzug (Strict-Pull-Up), der sich durch folgende Merkmale auszeichnet:
- nicht nur das Kinn ist über der Stange, auch die Brust wird zur Stange geführt
- der Bewegungsradius ist maximal (volle Beugung der Schulter und Streckung des Ellenbogengelenks), wobei auch im tiefsten Bewegungspunkt aktive Muskelspannung gehalten wird (kein passives Aushängen der Arme und Schulterblätter)
- zu keinem Zeitpunkt wird mit den Beinen Schwung geholt oder diese überkreuzt: die Hüften und Knie bleiben also durchgehend gestreckt
- die Bauchmuskeln sind fest angespannt und bewahren somit die sogenannte Schiffchen-Stellung (kein Hohlkreuz)
Kipping Pull Ups
Kipping Pull Ups sind vor allem beim Crossfit sehr weit verbreitet. Dabei werden die Klimmzüge schwunghaft ausgeführt, wodurch weniger Kraft notwendig ist. Die Technik ist etwas schwerer zu erlernen, jedoch schaffen Geübte mit der Kipping Pull Up Variante mehr Wiederholungen. Deshalb wird diese Variante vorzugsweise bei Crossfit-Wettkämpfen praktiziert, weil dort die Wiederholungsanzahl und weniger die Qualität im Vordergrund steht. Durch die schwunghafte Ausführung ist das Verletzungsrisiko beim Kipping Pull Up jedoch wesentlich höher. Deshalb und weil sie weniger Kraft erfordert (somit auch weniger Muskelaufbaupotenzial hat) raten wir vom Kipping Pull Up ab.
Mit sauber ausgeführten Strict-Pull-Ups lassen sich dagegen nicht nur Muskeln aufbauen, sondern auch respektvolle Blicke im Studio ernten!. Deshalb ist das die Variante, die wir empfehlen, wenn eine Verbesserung der Kraft, Muskelaufbau und Gesundheit im Vordergrund stehen. Wenn du aus dem Kölner Raum kommst und individuelle Hilfe beim Klimmzug suchst, stehen wir dir gerne zur Seite.
Aufwärmen vor dem Klimmzugtraining
Ein gezieltes Aufwärmen bereitet die Schultern und den oberen Rücken auf die Belastung vor und reduziert das Verletzungsrisiko. Wir empfehlen vor dem Klimmzugtraining:
- Schulterkreisen (10 Wiederholungen pro Richtung): lockert das Schultergelenk auf
- Scap Pulls (8-10 Wiederholungen): hänge an der Stange mit gestreckten Armen und ziehe nur die Schulterblätter nach unten, ohne die Arme zu beugen. Das aktiviert den unteren Trapez und die Schulterblattmuskulatur.
- Band Pull-Aparts (15 Wiederholungen): aktiviert die Rhomboiden und den hinteren Deltamuskel als Vorbereitung für die Retraktion
Klimmzug-Trainingsempfehlungen
Für einen nachhaltigen Kraftaufbau beim Klimmzug empfehlen wir:
- Häufigkeit: 2 bis 3 Mal pro Woche mit mindestens einem Ruhetag zwischen den Einheiten
- Volumen: 3 bis 4 Sätze mit so vielen technisch sauberen Wiederholungen wie möglich
- Pausen: 90 bis 180 Sekunden zwischen den Sätzen, damit sich die Griffkraft erholt
- Progression: Wenn du mehr als 10 saubere Wiederholungen schaffst, erhöhe die Intensität durch langsamere Ausführung (z. B. 3 Sekunden hoch, 3 Sekunden runter) oder Zusatzgewicht
Negative Klimmzüge: der beste Einstieg für Anfänger
Wenn du noch keinen vollständigen Klimmzug schaffst, sind negative Klimmzüge die effektivste Methode, um die nötige Kraft aufzubauen. Die exzentrische (absenkende) Phase ist der Teil der Bewegung, bei dem deine Muskeln am meisten Kraft entwickeln können.
So funktioniert es: Steige mit einem Hocker oder durch Hochspringen in die obere Position (Kinn über der Stange). Dann lässt du dich so langsam und kontrolliert wie möglich ab, idealerweise über 3 bis 5 Sekunden. Wiederhole das 5 bis 8 Mal pro Satz für 3 Sätze. Nach wenigen Wochen regelmäßigem Training wirst du deinen ersten vollständigen Klimmzug schaffen.
Klimmzüge und Dysbalancen: Gegenspieler nicht vergessen
Klimmzüge sind eine der besten Zugübungen, aber ein einseitiger Fokus auf Zugbewegungen hat auch eine Kehrseite: Die Rhomboiden, die beim Klimmzug stark arbeiten, ziehen das Schulterblatt in Retraktion und Abwärtsrotation. Auch der Latissimus dorsi kann über fasziale Verbindungen zum Schulterblatt eine Abwärtsrotation begünstigen. Wird der Gegenspieler, der Serratus anterior, nicht ausreichend mittrainiert, kann daraus eine Dysbalance entstehen, die langfristig die Beweglichkeit über Kopf einschränkt und Schulterprobleme begünstigt. Ein gezieltes Serratus anterior Training als Ausgleich zu deinen Klimmzügen ist deshalb empfehlenswert.
Du willst deine Klimmzugtechnik verbessern?
In unserer Bewegungsanalyse in Köln testen wir deine Schulterbeweglichkeit und Stabilität und zeigen dir, welche Korrekturübungen du brauchst. Für eine Analyse reisen Kunden aus ganz Deutschland an.
Du willst deine Klimmzüge systematisch verbessern? Im 360° STARK Online Programm trainierst du mit strukturierten Plänen an deiner Zugkraft und Oberkörperstärke, für jedes Level und überall durchführbar.





4 Kommentare
Top Video! Ich habe mir die Schulter mit zu vielen und schlecht ausgeführten Klimmzügen/Liegestütz/Dips ruiniert (ACG). Nach zwei Jahren Ruhe, ganz viel Dehnen und vorsichtiger aber stetiger Kräftigung der gesamten rückwärtigen Muskulatur bin ich nun einigermaßen schmerzfrei und möchte wieder langsam mit Klimmzügen starten. Allerdings an Ringen. Ist das besser/schlechter als an einer Stange? Und falls Ringe möglich sind: Gibt es hier bei der Bewegungsausführung noch ´was zu beachten oder gelten genau die gleichen Regeln/Tipps, wie in diesem Video beschrieben? Freue mich auf Feedback. Und DANKE!
Hallo Oliver, freut mich, dass dir das Video gefallen hat. Ringe sind insofern vorteilhaft, weil sie die natürliche Bewegung der Schulter und des Schulterblatts zulassen (Ringe drehen sich mit). Sonst gelten im Wesentlichen die gleichen Grundsätze. Viele Grüße, Wiktor
Echt cooler und hilfreicher Artikel! Gerade das Video gefällt mir. Klimmzüge sehen einfach aus, aber man kann viele Fehler machen… und das sieht man auch in Deutschlands Fitnessstudios
Grüße
Felix
Hallo Oliver, tolles Video, toller Artikel. Deine Erklärungen haben bei mir ein ganz großen AHA! Effekt ausgelöst. Ich trainiere seit knapp zwei Jahren eindlich mal einen vollen Klimmzug zu schaffen. Dabei hatte ich immer wieder Schmerzen in der Schulter. Gerade in den letzten beiden Sätzen des negativen Klimmzugs fallen die Schultern nach vorn. Werde in Zukunft darauf achten.
Danke
Franzi